In Bälde Bonn

Demnächst fahre ich nach Bonn, habe ich beschlossen. Nicht, um mir in den Rheinauen die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen - falls sie je wieder scheint -, sondern um am DJV-Symposium "Besser online" teilzunehmen.

Gleich zu Beginn wird Online-Prominenz in Form von Jeff Jarvis geboten. Ich bin gespannt. Und danach, tja, danach habe ich die Qual der Wahl. Keine Ahnung, welchem Workshop ich den Vorzug geben soll. Ich werde nochmal in mich gehen…

Für alle, die das Symposium interessieren könnte, habe ich hier das Programm:

 

Neugierig auf den Wandel

Christian Lindner, Chefredakteur der Rhein-Zeitung, ist bekennender Twitter-Nutzer. Von vielen Printkollegen wird er deswegen "mitleidig" angeschaut, erzählt er in einem Interview mit detektor.fm, das ich hier wärmstens empfehlen möchte. Ob er denn so viel Zeit übrig hätte?!

Was die Herren und Damen Kollegen, die diese Frage stellen, meiner Meinung nach nicht kapiert haben: Den eigentlichen Durchblick hat Lindner. Warum sollte man ihn dafür belächeln, dass er sich neugierig mit dem Wandel seiner Branche beschäftigt? Er sammelt wichtige Erfahrungen, die er als Blattmacher braucht. Und er zieht, wie ich finde, valide Schlüsse darüber, was eine Zeitung - in seinem Fall eine Regionalzeitung - heutzutage leisten und bieten muss. 

Lindner plädiert dafür, guten und vor allen Dingen eigenen (!) redaktionellen Content zu generieren. Den würden Leser dann auch als digitalen Bezahlinhalt konsumieren. Die Road to Nowhere sieht für ihn hingegen so aus: "dpa-Inhalte auf ein iPad zu spielen und das dann verkaufen zu wollen, kann und wird nicht funktionieren." 

Bezeichnend finde ich übrigens, dass Lindner im Interview nicht von einer Krise der Verlage spricht, sondern von einer Testphase. 

Noch ein Gedanke zum Schluss: Qualitativ hochwertige Inhalte erfordern sorgfältige journalistische Arbeit. Sie sollte entsprechend entlohnt werden - Stichwort Tarifverhandlungen für Tageszeitungen. Danke deshalb an Interviewer Christian Bollert für die Frage nach den Gehältern, die die Rhein-Zeitung ihren Redakteuren zahlt.

Dieser Pfad führt zum Podcast des Interviews. Gehen Sie ihn!

http://bit.ly/jTA6XQ

55 Geschwister in einer Sekunde

Die Bahn steckt mitten in den Reparaturen des Ost-West-Korridors. Jeder, der mit dem ICE auf der Strecke Köln-Berlin unterwegs ist, weiß das. Die Fahrt dauert schließlich 30 Minuten länger.

Als ich gestern die etwa vierte Stunde dieser Route hinter mich gebracht hatte, verteilte das Bahnpersonal eine Broschüre: das Max-Maulwurf-Extrablatt (Max Maulwurf ist das Maskottchen des Umbaus). Mein persönliches Highlight dieser Bemühung um Transparenz: die "Reportage" auf Seite 8 und 9. Geschrieben - darauf muss man erst einmal kommen - aus Sicht einer Bahnschwelle namens Susi. Titel: "Susi, die Schwelle, hat's nicht leicht".

Diesen Text wollte ich hier eigentlich nur in Auszügen zitieren, aber wenn ich so darüber nachdenke... Am besten entfaltet sich seine Wirkung doch im ganzen Stück: 

"Ich bin die Susi ... hoppla ... Sie sind eben über mich drüber gefahren! Aber das ist schon okay, ich bin das gewohnt.

Bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h fahren Sie, gemütlich im Zug sitzend, in jeder Sekunde über 55 meiner Geschwister.

Bahnschwellen sind die länglichen Teile aus Beton, die in gleichmäßigen Abständen in Schotter gebettet unter den Schienen liegen. Wir dienen dazu, die Belastung, die auf die Schienen wirkt, gleichmäßig zu verteilen. Außerdem gewährleisten wir, dass die Schienen in ihrer Lage fixiert werden, und die Spurweite dauerhaft eingehalten wird.

Mehr als 100 Millionen von uns liegen im Schienennetz der Deutschen Bahn, das eine Länge von rund 64 000 Kilometer hat.

Man unterscheidet uns Schwellen im allgemeinen nach Material, Form und Ver­wendungsart. Betonschwellen, wie ich, sind für hohe Belastungen ausgelegt und haben eine lange Lebensdauer.

Die ersten Betonschwellen, also meine Ur-Ur-Ahnen, wurden um 1890 verbaut. Beton war damals wie heute besonders praktisch, weil es ein Baustoff ist, der sich leicht in Form bringen lässt. Allerdings sind wir Betonschwellen beim Einbau natürlich nicht ganz Ohne – obwohl ich unzweifelhaft Modelmaße besitze – denn jede einzelne von uns wiegt etwa 300 Kilogramm. Allen anderen Schwellen gegen­über sind wir dennoch vorteilhafter, weil wir preiswerter, langlebiger und unempfindlicher sind.

Holzschwellen, wie mein Cousin Hubertus, werden heute nur noch selten neu ver­baut, doch auf Stahlbrücken werden sie vor allem wegen ihres geringeren Gewichts und der besseren Geräuschdämmung bevorzugt. Holzschwellen bestehen heutzutage aus Buchen­ oder Eichenholz und verrichten 30 bis 45 Jahre ihren Dienst. Problematisch ist allerdings, dass sie besonders witterungsanfällig sind.

Darüber hinaus gibt es noch an einigen Nebengleisen Stahlschwellen, wie Martha, meine Tante zweiten Grades mütterlicherseits. Sie war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstärkt zum Einsatz gekommen, da die Familie der Stahl­schwellen damals als besonders stabil galt. Gegen die später eingeführte Betonschwelle konnte sich die Stahl­schwelle aber nicht durchsetzen. Eine Sonderbauform der Stahlschwelle ist die so genannte Y-Schwelle, bei der jeweils zwei Y-Schenkel die gegenüber liegenden Schienen verbinden.

Aufgrund ihrer Bauform eignen sich aber beide Arten der Stahlschwellen nicht für eine auto­matische Verlegung. Außerdem verursachen Schwellen wie Martha hohe Einbau­ und Unterhaltungskosten. Martha als schlankes Leichtgewicht kann auch nicht so hohen Belastungen standhalten, wie sie heute durch die Züge hervorgerufen werden.

Wir Schwellen im Streckennetz der Deutschen Bahn werden regelmäßig kontrolliert und bereits vor dem Erreichen der Grenzwerte ausgetauscht. Auf der hochbelasteten Ost­West­Magistrale werden nun nach 12 bis 16 Jahren Liege­zeit viele meiner Freunde und Verwandten ausgewechselt. Aber ich bin glücklicher­ weise noch kerngesund und Sie können noch über mich hinwegfahren, so oft Sie wollen!"

Quatsch auf teurem Papier. Ein billigeres Ticket würde mir mehr Freude machen. Aber bitte, Susi, Hubertus, Tante Martha und all Ihr Schwellen im Streckennetz der Deutschen Bahn: Nehmt das nicht persönlich! 

Interesse an der kompletten Broschüre? Hier lang:

http://bauarbeiten.bahn.de/docs/OWK/infos/OWK_bis_26082011.pdf

Eine darf bleiben

Nach dem Abhörskandal wird die seit 1843 erscheinende englische Boulevardzeitung News Of The World nun eingestellt. Redakteure der Zeitung hatten wiederholt Telefone anzapfen lassen, um an exklusive Storys zu kommen. Ziele der Abhöraktionen waren Mitglieder der königlichen Familie, Prominente, aber auch Privatpersonen, die Angehörige in Afghanistan oder dem Irak oder bei den Terroranschlägen in London vom 7.7.2005 verloren hatten. In einem Fall ließ ein Redakteur die Mailbox der 13-jährigen Milly Dowler anzapfen, die 2002 als vermisst gemeldet und später ermordet aufgefunden wurde.

Wenn ich über diese Art, Journalismus zu betreiben, nachdenke, stellt sich mir vor allem eine Frage: Wie sieht ein Arbeitsumfeld aus, in dem Redakteure auf die Idee kommen, sich mit solchen Mitteln Informationen zu beschaffen? Woher kommt die Motivation, alle Ethik fahren zu lassen? Vor diesem Hintergrund finde ich es besonders aussagekräftig, dass Rupert Murdoch zwar alle NOTW-Angestellten entlassen hat, eine aber (bisher) bleiben durfte: Rebekah Brooks. Sie war Chefredakteurin der Zeitung, als 2002 das Handy von Milly Dowler angezapft wurde. Zurzeit ist Brooks Chefin von News International.   

Sehr gut aufgearbeitet wird das Thema in der gestrigen News Hour-Ausgabe auf BBC World Service. Hier geht's zum Podcast:

http://www.bbc.co.uk/iplayer/console/p00hm906

Und hier der Link zum Statement von James Murdoch, CEO Europa / Asien der News Corporation:

http://bit.ly/qI0xvE

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Nachdenklich

Diese beiden Artikel haben mich in den letzten Tagen - wieder einmal - nachdenklich gestimmt. Im weitesten Sinne behandeln sie die Frage, welchen ökonomischen Zwängen Journalisten ausgesetzt sind. Gerade vor dem Hintergrund der aktuell schwierig verlaufenden Tarifverhandlungen zwischen Journalistenverbänden und Verlagshäusern zwei sehr lesenswerte Analysen. Also bitte: 

Link zum Text: http://bit.ly/mj81Mz

Link zum Text: http://wapo.st/iAy1gg

 

Ins Netz für die Zahnärzte

Als feste Autorin für das "EDV & Technik"-Ressort der Zahnärztlichen Mitteilungen beobachte ich aktuelle Entwicklungen im Internet. Hier eine kleine Zusammenstellung aktueller Veröffentlichungen:

* Wissenschaftsblogs

 

 

* neue Lehrmethoden an der Uni

 

 

* Onlineportale für Gesundheitsinformationen

 

Mehr Artikel gibt's auf zm-online.de!

Zweimal zum Büdche

Das Kölsche Kulturphänomen Kiosk hat mich so interessiert, dass ich gleich zwei Mal darüber berichtet habe. Ein Beitrag lief im "Sonntagsspaziergang", dem Reisemagazin des Deutschlandfunks. Hier der Link zum Skript - die Audiodatei wird ja leider nicht vorgehalten:

http://bit.ly/f3J67C

Beitrag Nummer 2 erschien im PRINZ Köln. Wie immer habe ich sowohl Text als auch Fotos geliefert.

  

Rund um die Gesundheit

Für das Kundenmagazin der DAK, "praxis+recht", habe ich zwei Artikel geschrieben, in denen die Gesundheit im Mittelpunkt steht. 

In "Der Job als Krankmacher" geht es um das Thema Depression am Arbeitsplatz und die Reintegration betroffener Mitarbeiter.   

"Fuhrmann und Gespann" stammt aus der Reihe Entspannungstechniken, die ich für "praxis+recht" geschrieben habe.